Vernissage "Jüdisches Leben in Deutschland"

Ausstellung in der St. Lioba-Schule Bad Nauheim

Der jüdische Fotograf Rafael Herlich im Gespräch mit der Schülervertretung der Sankt Lioba Schule. (c) St. Lioba-Schule Bad Nauheim
Der jüdische Fotograf Rafael Herlich im Gespräch mit der Schülervertretung der Sankt Lioba Schule.
Mo 16. Dez 2019

Für die Dauer von etwas mehr als einer Woche dokumentiert eine Ausstellung in der Sankt Lioba Schule in Bad Nauheim „Jüdisches Leben in Deutschland“. Am 9. Dezember fand im Beisein des bekannten Fotografen Rafael Herlich die Vernissage statt, zu der neben dem 1. Stadtrat Peter Krank und Stadträtin Kerstin Eisenreich zahlreiche weitere Gäste aus Bad Nauheim und der Umgebung kamen. Manfred de Vries ergriff als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von Bad Nauheim das Wort und stellte klar, dass - nach allem, was auch seine Familie in der Zeit des Nationalsozialismus erlebt hatte - nur eine Offenheit der Religionen zueinander den Boden für ein friedliches Miteinander ebnet.

In diesem Sinne argumentierte auch Hans Winfried Auel, der als Studienleiter der Sankt Lioba Schule die thematische Hinführung übernahm: „Es war das Judentum, das in den ersten drei Geboten ein modernes Gottesbild annahm und in die Welt trug. Dieses Bild eines Gottes, der in all seinen Eigenschaften von Menschen niemals vollständig erfasst werden kann, ist eben auch offen für Gottesbilder anderer Religionen.“ Nicht im Kampf gegeneinander, sondern im gemeinschaftlichen Anliegen einer auf gegenseitiger Wertschätzung basierenden Kultur liege die Zukunft der Gesellschaft.

 

Schulleiter Bernhard Marohn, Fotograf Rafael Herlich und Manfred de Vries, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von Bad Nauheim (v.l.n.r.) (c) St. Lioba-Schule Bad Nauheim
Schulleiter Bernhard Marohn, Fotograf Rafael Herlich und Manfred de Vries, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von Bad Nauheim (v.l.n.r.)

Rafael Herlich selbst leitete die Entstehung zahlreicher Bilder aus seiner eigenen Biografie ab und aus dem Verhältnis zu seinem Vater, den er jahrelang nicht kannte. Er möchte mit seinen Bildern zeigen, dass unterschiedliche Religionen kein Grund sind, auf den jeweils anderen herabzuschauen. So bildet er beispielsweise drei sich umarmende Fußballer eines israelischen Vereins ab – einer Jude, einer Moslem, einer Christ; das Bild verrät aber nicht, wer wer ist, und das ist auch nicht nötig. Mit dieser Botschaft möchte er vor allem Jugendliche erreichen und stellt seine Werke deshalb auch bevorzugt in Schulen aus. „Schüler sind mir ein Anliegen“, formuliert er seinen Wunsch, in die nachwachsende Generation hineinzuwirken.