Schmuckband Kreuzgang

Glockenschlag

Zum Abschied von Benedikt XVI.

Pfarrer Karl Zirmer (c) Markus Schenk, Büttelborn
Pfarrer Karl Zirmer
Datum:
Do. 12. Jan. 2023
Von:
Pfarrer Karl Zirmer

Am 31.Dezember 2022 starb der Papst emeritus Benedikt XVI. Er wurde am 5.Januar 2023 nach einer schlichten und würdigen Feier zu Grabe getragen. Mehr als 50.000 Gläubige, 120 Kardinäle, fast 400 Bischöfe und 4000 Priester haben an dieser Feier teilgenommen. Das politische Berlin war vertreten durch die gesamte Staatsspitze: Nicht nur der Bundespräsident, sondern auch der Bundeskanzler, die Bundestagspräsidentin und der Bundesratspräsident sowie der bayerische Ministerpräsident haben daran teilgenommen.

Das Leben und Wirken von Benedikt XVI./Joseph Ratzinger zu würdigen - dazu sehe ich mich nicht in der Lage. Ich möchte mit einigen persönlichen Anmerkungen zum Ausdruck bringen, wie ich diesen Papst erlebt habe.

Ich bin sicher, Benedikt XVI. wird als großer Lehrer des Glaubens in die Geschichte eingehen. Er ist einer der großen Konzilstheologen und hat beim II.Vatikanischen Konzil bei der Erarbeitung wichtiger Konzilsdokumente maßgeblich mitgewirkt. Seine „Einführung in das Christentum“, die 1968 erschien, ist ein Meisterwerk der Theologie. Nach den Worten des evangelischen Theologen Helmut Gollwitzer bekommt der Leser „verständlich gemacht, wie christlicher Glaube sich unter den geistigen Bedingungen unserer Zeit darstellt, was Glaube im biblischen Sinne ist.“ Benedikt kann tiefe theologische Gedanken in einer einfachen Sprache ausdrücken. Es gibt viele, kurze, einprägsame Sätze von ihm, die wichtige Aussagen über unseren christlichen Glauben enthalten: z.B.: „Wer glaubt, ist nie allein!“ oder „Wo Gott ist, da ist Zukunft!“.  Benedikts Stärke war es, die bleibenden Wahrheiten unseres Glaubens neu zu formulieren. Er hat eine schöne Sprache. Seine Enzykliken über die Liebe und über die Hoffnung, seine Jesusbücher und viele seiner Ansprachen und Predigten sind ein kostbares Erbe, dass er der Kirche hinterlassen hat. 

Wenn es um die Aufarbeitung des Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche geht, darf man nicht nur an sein Wirken als Erzbischof von München denken. Dass er als Präfekt der Glaubenskongregation und als Papst entschieden und konsequent gegen den sexuellen Missbrauch in der Kirche vorgegangen ist, blieb der deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbekannt.

Benedikt XVI. hatte auch seine Schwächen und Grenzen. Es fehlte ihm manchmal das Gespür dafür, welche Wirkung bestimmte Aussagen bei seinen Zuhörern ausgelöst haben. Das hat nicht nur zu Missverständnissen geführt, sondern auch zu Verletzungen und schweren Verstimmungen. Ich erinnere hier nur an das Dokument „Dominus Iesus“ und die „Regensburger Rede“.

Manche Vatikanexperten haben gesagt, Regieren war nicht die Stärke dieses Papstes. Es kam zu manchen Pannen und Skandalen; es blieben Erwartungen, die er nicht erfüllt hat, Probleme, die er nicht lösen konnte. 

Alle ungelösten Probleme und nicht erfüllten Erwartungen ändern aber nichts daran: Benedikt XVI. war eine große Persönlichkeit. Ich glaube nicht, dass das Pontifikat von Benedikt XVI. schnell vergessen sein wird. Viele Menschen, auch ich, sind dankbar für seinen Mut und für das Zeugnis seines Glaubens.