Schmuckband Kreuzgang

Glockenschlag

Flagge zeigen in unserer Gesellschaft

Pfarrer Karl Zirmer (c) Markus Schenk, Büttelborn
Pfarrer Karl Zirmer
Datum:
Do. 16. Mai 2024
Von:
Pfarrer Karl Zirmer, Pastoralraum AKK-Mainspitze

Bald feiern wir Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes. Wir feiern, dass Gott uns Kraft schickt, Mut macht und uns auf unserem Weg durch die Zeit zur Seite steht. Deshalb wird der Heilige Geist auch Mutmacher-Geist genannt. Genau den brauchen wir in einer Zeit, in der der Kirche in der Gesellschaft ein eisiger Wind entgegenweht.

Für uns Christen gilt die Überzeugung, dass nicht alles, was in unserer Gesellschaft „in“ ist, mit der Botschaft Jesu vereinbar ist. Mit unserem christlichen Glauben nicht vereinbar sind z. Bsp. eine egoistische Lebenshaltung oder eine wachsende Armut ganzer Völker, während die reichen Wirtschaftsnationen immer reicher werden. Bequemlichkeit, das Bestreben, allem Unangenehmen aus dem Weg zu gehen, Gleichgültigkeit und Rücksichtslosigkeit sind nicht Kennzeichen des Heiligen Geistes. Das gleiche gilt für die Einstellung: Ich tue nur, was mir Spaß macht!“. Alles, was Leben fördert, ist im Sinne des Heiligen Geistes; was aber Leben behindert oder gar zerstört, steht im Gegensatz zum guten Geist Gottes.

Unsere Religion hat einen eminent politischen Charakter. Deshalb sollen und wollen wir uns auch in Zukunft nicht aus dem öffentlichen Leben zurückziehen.

In einer Welt, die gezeichnet ist von Gewalt und Terror, von Hass und Feindschaft, sollen wir Christen Zeugnis geben von unserem gemeinsamen Glauben an einen Gott, der die Menschen miteinander versöhnen will. In einer pluralistischen Gesellschaft braucht es mehr denn je, Menschen die bereit sind, ihr Leben und ihren Alltag aus diesem Glauben heraus zu gestalten. Menschen, die von ihrem Glauben inspiriert, einen Beitrag dazu leisten, dass es in unserer Gesellschaft menschlicher zugeht.

Haben wir den Mut unsere Stimme zu erheben, wenn wir Unrecht wahrnehmen? Wenn Klimaschutz vernachlässigt wird? Ergreifen wir Partei für die Schwachen und Unterdrückten, wenn es keinen fairen Lohn gibt, wenn Arbeiter ausgebeutet werden? Sind wir bereit, entschieden für konsequenten Lebensschutz am Anfang und am Ende des menschlichen Lebens einzutreten. Beim Thema Abtreibung geht es ja nicht nur um das Selbstbestimmungsrecht der Frau, sondern auch um das Lebensrecht des Ungeborenen. Haben wir den Mut unsere Stimme zu erheben, wenn wir sehen, dass Flüchtlinge keine Unterstützung finden? 

Die Welt braucht auch heute mutige, aufrichtige und lebensfrohe Christen, die sagen was sie glauben, und tun, was sie sagen. Sie braucht Christen, die Flagge zeigen, und sich in der Nachfolge Jesu um mehr Mitmenschlichkeit bemühen. Unsere Gesellschaft braucht überzeugte Christen, die Freude und Zuversicht in ihrem Lebensumfeld ausstrahlen und mit allen Menschen guten Willens zusammenarbeiten, damit es menschlicher zugehen kann in unserer Welt.

Mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen ein gesegnetes Pfingstfest.