Schmuckband Kreuzgang

30. Sonntag im Jahreskreis

Friedenskerze (c) Martina Bauer
Friedenskerze
Datum:
So 25. Okt 2020
Von:
Martina Bauer

Mission ist Friedensarbeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

25.10.2020

  1. Sonntag, LJ A (2020): zu: Ex 22, 20-26 & Mt 22, 34-40

(VAM und Dom)                                                                                                                          

(10:00 Uhr: Pax-Christi Wanderfriedenskerze)

 

Mission ist Friedensarbeit

 

  1. Die Kirche – und ganz speziell die deutsche Kirche – sind Profis, wenn es um’s Geldsammeln geht. Über das Jahr verteilt haben wir eine ganze Menge an Kollekten, Sammlungen, Missionsanliegen. Und rufen immer wieder zu besonderen Kollekten auf. In den vergangenen Jahren beklagen unsere Hilfswerke allerdings, dass die Spenden deutlich rückläufig sind. Das liegt freilich nicht daran, dass die unsere treuen Gottesdienstbesucher weniger geben würden, im Gegenteil: die Spendenbereitschaft ist nach wie vor groß. Sondern schlicht daran, dass es deutlich weniger Gottesdienstbesucher gibt. Und in diesem Jahr kommt noch Corona erschwerend dazu. Das bedeutet massive Einbrüche in den Einnahmen für die Hilfswerke. Andererseits ist großartig zu sehen, was an Nothilfe mit den gesammelten Geldern absolut professionell geleistet werden kann. Die kirchlichen Hilfswerke werden oft beneidet wegen ihrer beispiellosen „Infrastruktur“: die Kirche hat eben an praktisch jedem Ort der Welt schon automatisch ihre Leute „vor Ort“, die sehr genau wissen, wo wirklich Hilfe Not tut und die dafür sorgen, dass die gesammelten Gelder auch wirklich dort ankommen, wofür sie bestimmt sind. Trotzdem bleibt der Vorwurf: Euch geht’s dauernd nur ums Geld!
  2. Heute ist Weltmissionssonntag und natürlich haben wir für diesen Sonntag auch eine Kollekte und ein Hilfswerk, für das wir um Spenden bitten: die Missio-Kollekte. Wieder geht es um Geldsammeln für Arme, Notleidende. Ist denn Mission – darum geht es doch – wirklich nicht mehr als Geldsammeln? Mission bedeutet ursprünglich doch etwas ganz anderes als „Abkassieren“. Mission ist lateinisch und heißt übersetzt: „Sendung“; Mission bedeutet: Hinausgehen, in die Welt ziehen um das Evangelium allen Menschen zu verkünden, so wie es Jesus uns aufgetragen hat: „Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium vom Reich Gottes. Macht alle Menschen zu meinen Jüngern und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!
  3. Was ist davon übriggeblieben? Um es einmal klipp und klar zu sagen: unser Auftrag als Kirche ist es nicht, Kollekten zu zählen und zu verteilen, Entwicklungshelfer zu sein. Unser Auftrag als Kirche ist Mission! Das Evangelium allen Menschen zu verkünden! Das ist freilich sehr viel schwerer als Geld zu sammeln und schöne Entwicklungsprojekte zu machen. Geld und Hilfe sind immer und überall willkommen; die Botschaft des Evangeliums aber birgt in sich die Gefahr, auch auf Ablehnung zu stoßen oder auf Gleichgültigkeit, wie weithin in unserem Land.
  4. Aber: Wie geht das: Wirklich zu missionieren, das Evangelium zu verkünden? Doch wohl nicht so, dass wir ausziehen, uns auf die Straßen und Plätze dieser Welt stellen und von Gott und seiner Liebe erzählen, wie es manche Sekten, die Heilsarmee oder auch manche Freikirchen tun. Obwohl ich den Eifer und die Leidenschaft, mit der solche Menschen das Evangelium verkünden, oft auch bewundere und mir für unsere Kirche etwas mehr von diesem Mut, dieser Leidenschaft für das Evangelium wünsche: aber letztlich ist das nicht der Weg. Das Evangelium kann nicht bloß mit Worten oder beeindruckenden Predigten verkündet werden, sonst bleibt es leeres Gerede, Geschwätz. Das Evangelium muss gelebt werden. Umgesetzt werden, und zwar so, dass es die Welt wirklich verändert.
  5. Der Kern des Evangelium – das bringt Jesus auf die Frage des Pharisäers im heutigen Evangelium auf den Punkt, ist das Doppelgebot der Gottes und der Nächstenliebe. Nur wo das gelebt, für die Menschen spürbar wird, nur da wird Evangelium wirklich glaubwürdig verkündet. Durch Taten, durch das Leben, nicht bloß durch Worte. So geschieht Mission! Die Menschen müssen spüren, am eigenen Leib erfahren, fühlen können, dass Gott sie liebt und sich wirklich um sie sorgt! Dass er ihr armseliges Leben verändern kann und will. Und das geht nur, wenn wir, die wir Christen heißen, das auch tun: wir sind die Boten seiner Liebe; wir sind seine Augen, seine Hände, sein Herz in dieser Welt. Nur wenn wir anpacken, wo die Not am größten ist, nur wenn wir anfangen, etwas zu verändern, werden die Menschen auch glauben, dass Gott sich wirklich um sie sorgt, dass er sie wirklich liebt. Deshalb geht Mission nicht, ohne dass wir alles tun, um Not zu wenden, Menschen aufzurichten, Notleidenden Perspektiven zu eröffnen, gegen ungerechte Strukturen und Systeme aufzustehen und für gerechte Verhältnisse in der Welt einzutreten und für Frieden! „Selig, die Frieden stiften!“ lautet das Motto der diesjährigen Missio-Aktion.
  6. Eure Hilfswerke sind mir viel zu politisch! Da geht es doch gar nicht mehr um die Armen, da geht es um politische Arbeit, Befreiungstheologie und so fort“, das ist ein weiterer Vorwurf, der oft gemacht wird. (Und dann kommt heute auch noch Pax Christi – eine zweifellos hochpolitische Organisation in der katholischen Kirche, mit ihrer Wanderfriedenskerze, und dem Motto: „Verbrannte Erde – Kriegsopfer Schöpfung“, mit seinen politischen Aufrufen, die Menschen aus dem menschunwürdigen Flüchtlingslagern auf Lesbos rauszuholen, in unser Land zu holen. Was hat das noch mit Mission zu tun?) Mal abgesehen davon, dass Frieden und Gerechtigkeit in der Bibel die Grundmerkmale sind für das Reich Gottes und es ist unser Auftrag als Christen, am Aufbau dieses Reiches mitzuarbeiten. Anders gesagt: wer sich nicht aktiv, engagiert, mit aller Leidenschaft für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt, der hat nicht begriffen, was Christsein bedeutet. Denn genau darum geht es. (Und es geht eben auch um unseren Einsatz für Gottes Schöpfung und die Menschen!)
  7. Denn: Gott sorgt sich um die Menschen; er hört ihren Klageschrei, wie wir eben in der Lesung aus dem Alten Testament gehört haben. Er sieht die Not und das Elend und er hat Mitleid! Er will sich in Liebe um jeden / jede einzelne annehmen – und zwar durch uns. Durch unsere Liebe und Zuwendung, durch unsere Hilfe in der ärgsten Not, durch unseren Beistand in Trauer, unser Mitgefühl im Schmerz will Gott seine Liebe zu den Menschen erfahrbar machen.
  8. Deshalb ist den Augen Jesu jenes zweite Gebot genauso wichtig wie das erste Gebot: Du sollst den Herrn deinen Gott Lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Und jenes zweite Gebot lautet: Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst!
  9. Das ist Verkündigung des Evangeliums, das ist wirklich Mission! Jede Zeile des Evangeliums spricht von der Liebe Gottes zu den Menschen. Und genau diese Liebe müssen wir die Menschen auch spüren lassen. (Und wenn Pax Christi mit ihrer Wanderfriedenskerzen-Aktion in diesem Jahr dafür sensibilisieren will, dass auch die Schöpfung selbst Kriegsopfer ist – verbrannte Erde – dann geht es auch darum: durch aktive Friedensarbeit, durch Einsatz gegen Krieg, Vertreibung, Zerstörung der Schöpfung den Menschen eine Lebensperspektive zu öffnen: wenn es gelingt, Militärausgaben zu reduzieren, Atomwaffen zu ächten, dann ist das Einsatz für den Frieden. Genauso wie der Einsatz für den Aufbau eines funktionierenden Gesundheitssystems in kriegszerstörten Ländern, der Aufbau von Schulen und Bildung und so fort. Es geht letztlich um Frieden und Gerechtigkeit. Um den Frieden, den Christus bringt: Pax Christ!)
  10. Und da haben auch Kollekten, Nothilfe, das Teilen mit den Ärmsten seinen Sinn: wenn wir es recht verstehen, dann ist das Mission: Mitwirken am Aufbau des Reiches Gottes! Denn es geht dabei ja nicht darum, dass wir uns durch unser Geld, unsere Spenden Liebkindmachen bei den Armen, damit sie hinterher aus lauter Dankbarkeit uns zu Liebe auch etwas vom Evangelium annehmen. Es geht ja nicht darum, dass wir das Evangelium wie so eine fromme Soße hinterher über den Braten unserer Entwicklungshilfe und Friedensarbeit gießen. Vielmehr ist unsere Sorge und Solidarität mit den Armen, unser Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit Verkündigung des Evangeliums, weil es Gottes Sorge um den Menschen in Not spürbar macht, weil wir so Gottes Liebe zu den Armen und Notleidenden erfahrbar machen. Unser Teilen ist Verkündigung des Evangeliums von der Liebe Gottes zu allen Menschen. Und in diesem Sinne bitte ich Sie heute zur Missio-Kollekte um Ihre großherzige Gabe für die Menschen in der Welt.