Schmuckband Kreuzgang

Fundstücke aus der Ausgrabung beim Neubau „Haus am Dom“

Fundstücke Ausgrabungen Haus am Dom (c) Pfarrgruppe Dom St. Peter und St. Martin / Martina Bauer
Fundstücke Ausgrabungen Haus am Dom
Datum:
Sa 19. Sep 2020
Von:
Martina Bauer

Grabungsfunde kehren zurück nach Worms

Im Kontext des Neubaus des Hauses am Dom haben archäologische Grabungen eine Reihe interessanter Funde zu Tage gebracht, die bis auf die römische Zeit zurückreichen. Neben aufschlussreichen Fundamenten und Mauerresten, insbesondere dem als Reste einer Taufpiscina gedeuteten und in das Haus am Dom integrierten Fund aus karolingischer Zeit sind vor allem auch etliche Funde aus spätrömischer Zeit ans Tageslicht gekommen.

 

Eigentlich war geplant, diese Fundstücke erstmals im Rahmen des im April geplanten rheinhessischen Römertages der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aufgrund der Corona-Pandemie musste der Römertag aber verschoben werden. Er wird nun am 20. September in einer stärker digitalen Weise nachgeholt. Das war zugleich der Anlass, dass Frau Dr. Marion Witteyer, die Leiterin der Landesarchäologie, am Mittwoch, den 9. September um 12:30 Uhr einige Funde offiziell übergab, damit sie künftig am Fundort, im Haus am Dom, der Öffentlichkeit präsentiert werden können. Propst Tobias Schäfer hat die archäologischen Fundstücke für die Domgemeinde entgegen genommen. Anwesend war auch Dorothea Schäfer, die Landrätin des Landkreises Mainz-Bingen, die zugleich Vorsitzende von Rheinhessen-Marketing e.V. ist und Initiatorin der Römerroute Rheinhessen.

 

Fundstücke Ausgrabungen Haus am Dom (c) Pfarrgruppe Dom St. Peter und St. Martin / Martina Bauer
Fundstücke Ausgrabungen Haus am Dom

Bruchstück eines Weihealtars

Material: Kalkstein

Datierung: 1./2. Jh. n. Chr.

 

Der Altar war in Zweitverwendung im Fundament einer Mauer verbaut.

Die Vorderseite ist beschriftet, die Nebenseiten und die Rückseite sind glatt. Auf der Altaroberseite befindet sich eine rechteckige Vertiefung. Vielleicht sollten dort Opfergaben verbrannt (allerdings gibt es keine Feuerspuren) oder abgelegt werden.

 

Die Inschrift ist dem Gott Merkur gewidmet.

 

MERCVRIO

SACRV(M) · L(ucius)

VIBILIVS

MILES LEG(ionis)

--- V(otum) S(olvit) L(ibens) M(erito)

 

Für Merkur hat Lucius Vibulus

Soldat der Legion

--- den Altar gestiftet

Er hat sein Gelübde gern und nach Gebühr erfüllt

 

Die Inschrift sagt aus, dass Lucius Vibulius sich mit einem Wunsch an Merkur gewandt hatte und bei dessen Erfüllung zum Dank dafür eine Opfergabe, in dem Falle ein Altar, gelobte. Um welchen Wunsch es sich handelte, geht aus der Inschrift nicht hervor. Allenfalls mag die Funktion von Merkur einen allgemeinen Hinweis geben. Merkur schützte die Reisenden, war Gott der Kaufleute, aber auch der Diebe. Sein Beistand verhieß Gewinn und Wohlhabenheit. In der literarischen Überlieferung heißt es, Merkur sei der von Kelten und Germanen am meisten verehrte Gott.

Der Familienname Vibulius gehört zu den seltenen römischen Namen. Seit dem 1. Jh. n. Chr. ist er nachgewiesen.

Auch in Mainz kommt der Name auf dem Grabstein eines Legionssoldaten vor. Er stammte aus Mailand war während seines Dienstes in der 22. Legion in Mainz verstorben. Ob beide Soldaten verwandt waren, kann nur gemutmaßt werden.

Aus welchem Grund sich Lucius Vibulius in Worms aufhielt und dort die Weihung an Merkur vornahm, ist unbekannt. Zwar war in Worms bis Ende des 1. Jh. Militär stationiert, aber nur Hilfstruppen und keine Legion. Dennoch gibt es noch andere Zeugnisse römischer Legionäre in Worms.

Wahrscheinlich stand der Altar ursprünglich zusammen mit zahlreichen anderen Weihungen in einem Heiligtum im Umfeld des Domes. Vom Aussehen des Heiligtums und dem unter dem Dom lokalisierten Forum ist nichts bekannt. Vermutlich wurden die Altäre beim Bau des Doms und der benachbarten Bauten abgerissen. Einige Steine gelangten in die Sammlung von Bischof Johann von Dalberg (1482-1503).

 

Fundstücke Ausgrabungen Haus am Dom (c) Pfarrgruppe Dom St. Peter und St. Martin / Martina Bauer
Fundstücke Ausgrabungen Haus am Dom

Bruchstück einer Herkules-Statuette

Material: Ton

Datierung: 2. Jh. n. Chr.

 

Das Figürchen wurde aus einer zweiteiligen Model gepresst. Am Kopf sind die Verstreichspuren der Modelnähte deutlich zu erkennen. Solche Figürchen wurden in Serie produziert und als preiswerte Götterfigürchen zum Kauf angeboten. Aufgrund der fein ausgeprägten Details war die verwendete Model noch nicht lange in Gebrauch, sonst wären die Konturen flau ausgefallen.

Die Statuette zeigt den Heros und Halbgott Herkules, berühmt für seine Kraft und die erfolgreiche Erledigung von eigentlich unüberwindlichen Aufgaben.

Das Figürchen mag für seinen Besitzer ein Symbol für die Überwindung von Schwierigkeiten gewesen sein.

Dargestellt ist Herkules mit seinen charakteristischen Attributen, der Keule und dem Löwenfell, das er bei seiner ersten Aufgabe erhalten hatte (Tötung des Löwen aus Nemea).

Fundstücke Ausgrabungen Haus am Dom (c) Pfarrgruppe Dom St. Peter und St. Martin / Martina Bauer
Fundstücke Ausgrabungen Haus am Dom

Krug

Material: Ton

Datierung: 2. Hälfte 2. Jh. n. Chr.

 

Der Krug lag in einer Grube. Ob möglicherweise mit dem Behälter eine Flüssigkeit dort bewusst deponiert werden sollte, kann nur spekuliert werden. Bemerkenswert ist jedenfalls, dass das Gefäß vollständig erhalten ist, also nicht kaputt und als unbrauchbarer Abfall an seinen Auffindeort gelangte.

Fundstücke Ausgrabungen Haus am Dom (c) Pfarrgruppe Dom St. Peter und St. Martin / Martina Bauer
Fundstücke Ausgrabungen Haus am Dom (c) Pfarrgruppe Dom St. Peter und St. Martin / Martina Bauer
Fundstücke Ausgrabungen Haus am Dom (c) Pfarrgruppe Dom St. Peter und St. Martin / Martina Bauer