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Katechese - Eine Frage der Haltung?!

Wir glauben: "Ja". Vor allen notwendigen Überlegungen zu Formaten, Inhalten und Methoden ist Katechese nämlich zunächst ein Beziehungs- und Begegnungsgeschehen und damit auch eine Frage der Haltung. Die hier zusammengestellten Grundhaltungen stammen aus dem Kartenset "Katechese - Eine Frage der Haltung?!". Sie sind im Zuge des Pastoralen Weges entwickelt worden und inspiriert von den Positionspapieren des Pastoralen Weges sowie von Initiativen aus anderen Bistümern (wie "Katechese als Weggemeinschaft" des Bistums Rottenburg-Stuttgart und "Talk about" aus dem Bistum Münster).

Die Grundhaltungen des Kartensets wollen - in Kombination mit zu den zugehörigen Fragestellungen - in katechetisch aktiven oder interessierten Gruppen und Kreisen anregen, über die eigenen Haltungen ins Gespräch zu kommen und sich der gemeinsamen Grundhaltung zu vergewissern, die konkreten katechetischen Angeboten zugrunde liegt. Die formulierten Haltungen verstehen sich als Diskussionsgrundlage.

Grundhaltungen der Katechese

Katechese geschieht auf unterschiedlichen Wegen
Katechese geschieht auf unterschiedlichen Wegen

Katechese geschieht auf unterschiedlichen Wegen

Manche Menschen hören in der Katechese zum ersten Mal Geschichten aus der Bibel. Auch beten wird einigen fremd sein. Andere bringen Glaubens-wissen und –praxis mit und entdecken neue Seiten daran. Daneben stehen Lebensalter und –situationen, Glaubensphasen, Geschlechter, Vorlieben und Fähigkeiten. Viele Faktoren entscheiden mit darüber, ob Katechese gelingt. Katechese orientiert sich an den unterschiedlichen Bedürfnissen und Voraussetzungen. Sie bietet Personen und Gruppen unterschiedliche und modular aufgebaute Wege als zeitlich befristete Weggemeinschaft an. Sie ermöglicht den Glauben kennenzulernen, ihn zu erneuern oder zu vertiefen. Dabei orientiert sie sich an Prinzipien der Inklusion, wie Ermöglichung von Teilhabe, Barrierefreiheit und Selbstbestimmung.

Katechese geschieht in Gelassenheit und im Vertrauen auf Gott
Katechese geschieht in Gelassenheit und im Vertrauen auf Gott

Katechese geschieht in Gelassenheit und im Vertrauen auf Gott

Die grundlegende katechetische Haltung ist die der zuversichtlichen Gelassenheit: Gott ist immer schon da – wenn auch unverfügbar. 
Gott lässt sich nicht in einen Kurs, an einem Ort, zu einem Termin oder durch eine Methode einplanen und abrufen. Gotteserfahrungen können nicht herbeigeführt werden, sondern ereignen sich. Die Katechese kann „nur“ günstige Bedingungen dafür schaffen. Wichtiger als das Machen-wollen ist das Wirken-lassen-können: auf Gott vertrauen, mit seiner Hilfe rechnen und ihm das Meiste überlassen. Was weitergegeben werden will, ist die Freude aus dem Glauben und die Freude am Glauben. 
 

Glaube ist nie fertig
Glaube ist nie fertig

Glaube ist nie fertig

Was und wie ein Mensch glaubt, verändert sich im Laufe des Lebens. Glaube kann wachsen, schrumpfen oder auf der Stelle treten. Christ zu sein ist ein lebenslanger Prozess. Katechese kann und darf sich folglich nicht allein in der Vorbereitung der Sakramente erschöpfen. Sie versteht sich als Angebot an Menschen aller(!) Altersgruppen und Lebenssituationen.
 

Es braucht persönliche Begegnung, Beziehung und Begleitung
Es braucht persönliche Begegnung, Beziehung und Begleitung

Es braucht persönliche Begegnung, Beziehung und Begleitung

Die wichtigste Grundvoraussetzung aller katechetischen Prozesse sind die Begegnungen von Menschen, die gemeinsam auf der Suche sind. 
Katechet:innen sind authentische, beziehungs- und auskunftsfähige Zeug:innen des Glaubens. Sie geben durch ihre Persönlichkeit ein Beispiel, wie ein Leben im Licht des Glaubens gedeutet werden kann. In den Erfahrungen, Einsichten und Fragen der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen erkennen Katechet:innen einen Beitrag für das Wachsen ihres eigenen Glaubens. In dem wechselseitigen Prozess auf Augenhöhe, der von einer offenen und freundlichen Atmosphäre getragen ist, können Beziehungen wachsen: Beziehungen der Menschen untereinander und Beziehungen der Menschen mit Gott. 
 

Katechese geschieht in den Spuren Jesu
Katechese geschieht in den Spuren Jesu

Katechese geschieht in den Spuren Jesu

Katechese „ist geprägt und inspiriert von der Art und Weise, wie Jesus in den Evangelien den Menschen begegnet: anerkennend, offen für ihre Bedürfnisse und Nöte, heilend, versöhnend, Beziehung stiftend, Gottes Nähe bezeugend, zur Umkehr rufend.“1

Inhaltlich orientiert sie sich an der frohen und freimachenden Botschaft, die die Bibel bezeugt. Die konkreten Inhalte entstehen durch Priorisierung, Auswahl und Elementarisierung. Exemplarisch wird an zentralen Themen, Bibelstellen, Personen (…) Wesentliches weitergegeben. So bleibt Zeit, in die Tiefe zu gehen. 

1 Katechese in veränderter Zeit, Deutsche Bischofskonferenz 2004, S. 27.    

 

Katechese bedeutet Zuhören, Austauschen, Anbieten und Freigeben
Katechese bedeutet Zuhören, Austauschen, Anbieten und Freigeben

Katechese bedeutet Zuhören, Austauschen, Anbieten und Freigeben

Katechese bedeutet zuerst zuhören, was der andere zu sagen hat. Im Austausch und in der Deutung der eigenen Erfahrungen und Erlebnisse wird konkret, was und wen die Katechese verkündet. Katechese hat dabei stets den Charakter der Einladung. In der Katechese wird der Glaube angeboten und als Lebensprinzip vorgeschlagen. Ob sich ein Mensch davon inspirieren lässt, hat die Katechese nicht (mehr) in der Hand. Damit respektiert und fördert sie die persönliche Freiheit und Entscheidungsfähigkeit der Menschen.
 

Katechese lebt vom Miteinander des haupt- und ehrenamtlichem Engagements
Katechese lebt vom Miteinander des haupt- und ehrenamtlichem Engagements

Katechese lebt vom Miteinander des haupt- und ehrenamtlichem Engagements

Katechese ist auf ein gutes Miteinander von ehren- und hauptamtlich Engagierten angewiesen. Das Miteinander ist geprägt von Wertschätzung. Die verschiedenen Charismen (oder auch jeweiligen beruflichen Kompetenzen) der Beteiligten werden ernst genommen und in die Gestaltung der Katechese eingebunden. Die konkreten Unterstützungsangebote und die Begleitung durch Hauptamtliche orientiert sich an den Bedürfnissen der ehrenamtlichen Katechet:innen (wie z.B. religionspädagogische-katechetische Qualifizierung, spirituelle Begleitung, Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben sowie Sprachfähigkeit über Glaubensthemen).   
 

Katechese vollzieht sich in  vielen Bereichen kirchlichen Handelns
Katechese vollzieht sich in vielen Bereichen kirchlichen Handelns

Katechese vollzieht sich in vielen Bereichen kirchlichen Handelns

Gleichberechtigt neben den direkten katechetischen Bemühungen, die in geplanten Unternehmungen erfolgen (wie z.B. in der Sakramentenkatechese), stehen indirekte Formen der Katechese. Glaube wächst oft auch durch Erlebnisse und Gelegenheiten, die das gar nicht beabsichtigen — im Gespräch, in der Begegnung mit Menschen oder mit gelebten Formen des Glaubens (in der Liturgie, im Gebet, in der christlichen Kunst und Kultur). Es gilt zu sehen, was den Menschen heilig ist, Übergänge im Lebenslauf zu feiern und Gottes Segen weiterzugeben. Dabei kommen neue und alte Formen von Ritualen in den Blick, Sakramentalien gewinnen an Bedeutung.
 

Katechese braucht den Bezug zum alltäglichen Leben
Katechese braucht den Bezug zum alltäglichen Leben

Katechese braucht den Bezug zum alltäglichen Leben

Katechese setzt bei den Erfahrungen der Menschen an. Ausgangspunkt ist deren konkretes Leben, die Alltagserfahrungen, ihre Fragen und Zweifel. Menschen kommen über ihren Glauben und über die Suche nach Gottes Spuren im Leben in einen Dialog.
Der Dialog ist geprägt von den Menschen, die ihn gestalten. Mehr als die Vermittlung von Inhalten wirkt, wer etwas sagt und auf welche Weise er oder sie es tut. Inhalte, Methoden und Personen sind aufs Engste verknüpft.
Daneben wird es perspektivisch immer bedeutender auch auf die Lebenswirklichkeit abgestimmte ganzheitliche wie crossmediale (verschiedene inhaltlich, gestalterisch und redaktionell verknüpfte Medien) Erfahrungs- und Resonanzräume anzubieten, die helfen, im Alltag Leben und Glauben miteinander zu verknüpfen. Denn: Das Leben hilft zu glauben, der Glaube hilft zu leben. 
 

Glauben lernt man durch ausprobieren
Glauben lernt man durch ausprobieren

Glauben lernt man durch ausprobieren

Weil Katechese zunächst nicht auf die Vermittlung von Glaubenswissen, sondern auf die lebendige Beziehung zu Gott zielt, braucht es wirkliche Erlebnis- und Erfahrungsräume statt Unterrichtssetting. Katechese lädt ein, Christ- und Kirche-Sein auszuprobieren – im Erleben 
der Gemeinschaft, im Gespräch über Glaubens- und Lebenserfahrungen, bei spirituellen und liturgischen Elementen und Gottesdiensten oder beim Einsatz für andere. 
 

Rückmeldungen helfen, die Qualität zu überprüfen und nachzusteuern
Rückmeldungen helfen, die Qualität zu überprüfen und nachzusteuern

Rückmeldungen helfen, die Qualität zu überprüfen und nachzusteuern

Regelmäßige Evaluation der einzelnen katechetischen Angebote durch persönliche und empirische Erhebung von Rückmeldungen sichert Erkenntnisse darüber, (1) wie gut sich einzelne katechetische Formate für die Teilnehmenden handhaben lassen, (2) wie groß die Zufriedenheit mit dem Angebot ist und ob die Erwartungen erfüllt wurden und (3) inwiefern die Teilnehmenden durch das Angebot den Glauben kennenlernen, entdecken oder vertiefen konnten („Lerneffektivität“). Sie ist die Grundlage, um die Qualität der Katechese langfristig zu etablieren und zu sichern.